Hossam Mahmoud

Cairo / Salzburg — Aoud

Der 1965 in Kairo geborene Komponist studierte an der Universität seiner Heimatstadt sowohl orientalische Musik als auch die europäische Musiktradition – außerdem Bratsche, Klavier, Oud (arabische Laute) und Musikpädagogik. Hossam Mahmud, Salzburg Kairo – Aoud und Komposition

Seit 1990 lebt er in Österreich. Kompositionsstudien in Graz bei Beat Furrer und in Salzburg bei Boguslav Schaeffer folgten.

1998 Abschluss Mag.art. mit Auszeichnung am Mozarteum Salzburg. Er wurde 2000 mit einem Stipendium des Landes Salzburg, 2002 mit einem Staats-Stipendium ausgezeichnet und erhielt 2005 den Musikpreis des Landes Salzburg.

Beim Komponistenforum Mittersill war Mahmoud 2001 Composer in Residence und 2003 beim Forum Alpbach eingeladen.

Seine Werkliste umfasst Kammermusik in unterschiedlicher Besetzung, Orchesterwerke, elektronische bzw. Computermusik sowie Musiktheaterwerke. mica

In den letzten Jahren gelangten als Auftragswerke der Paul-Hofhaymer-Gesellschaft “Der Prophet” (nach Khalil Gibran), “Ein lebendig Wesen” (nach Goethes “West-Östlichem Diwan”) und in der Salzburger Universitätskirche die musikalische Dichtung “Prisca ou La Caverne des Songes” (Eine musikalische Dichtung nach Tawfik Al Hakim, Libretto Christian Ollivier) zur Uraufführung.

“Prisca” konnte 2005 eine Wiederaufführung in der Salzburger Universitätskirche und anschließend die Erstaufführungen im Opernhaus Kairo und im Opernhaus Alexandria erleben.

Ebenfalls gelangte 2007 an jenen Orten “Salomon2 – eine weitres Musiktheaterwerk nach Tawfik Al Hakim zur Aufführung.

Als Auftragswerk des stART Festivals wurde 2003 die Musik für Streichquartett “Die Notwendigkeiten ..?” erstmals gespielt, bei der “Nacht der Komponisten” 2004 das Vokalwerk “Comedia – Die Sendung der Vergebung” (nach Gedichten von Dante und Al-Ma’arri).

Ein Auftragswerk des Da Ponte Instituts “Martheia-Epilogue auf Mozarts letztes Lebensjahr” hatte Ende Mai 2006 in der ALBERTINA, während der MOZART Ausstellung in Wien, großen Erfolg.

Im Oktober 2007 wurde beim Festival d’Automne a Paris ein Auftragswerk an den Komponisten “Tarab III” uraufgeführt.

Für das Festival Klangspuren Schwaz, September 2008, bekam Mahmoud den Auftrag zu einem Orchesterwerk – 2009 wurde bei der Salzburg Biennale “Der Atem der Reinheit 1” und beim Mattseer Diabelli Sommer 2010 “Der Atem der Reinheit 2” uraufgeführt.

2011 Uraufführung des Trios “Martheia 2” am Österreichischen Kulturforum New York und des Orchesterwerks “Elegie an die Märtyrer der 25. Januar-Revolution”, das vom Egyptian Philharmonic Chamber Orchestra unter Ahmed El Saedi in der Wiener Votivkirche gespielt wurde und anschließend bei einer Tounee u.a. in München großen Erfolg hatte.

Im Rahmen eines Komponisten-Portraits vergab das Österreichische Kulturforum Berlin ein Auftragswerk an Hossam Mahmoud – für Violine solo und Bläserquintett -, welches unter dem Titel ” …In unserer Liebe sind wir… An Juan de la Cruz…” Anfang Januar 2012 im ÖKF Berlin uraufgeführt wurde.

Vom ORF aufgenommene Werke wurden in CD-Produktionen integriert – weitere Live-Mitschnitte von ausländischen Radiostationen aufgezeichnet wie z.B. 2005 Taqassim V für Oud und Elektronik am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg etc.

Zahlreiche Gastvorträge mit Schwerpunkt der Gegenüberstellung von europäischer und orientalischer Musik führten zu in- und ausländischen Einladungen – auch zu Konzerten auf der Oud wie z.B. im Radio Kulturhaus Wien, bei “Kulturbrücke Fratres”, “Festival Avantgarde Tirol 2011” u.v.a.

Presseberichte:

Reihe “Musik und Text” in Salzburg Von der Gefährdung des Menschen durch den Menschen erzählt “Enigma” für Countertenor und Streichquintett von Hossam Mahmoud, ein Auftragswerk der Hofhaymer Gesellschaft, das vom Stadler-Quartett, Marcus Pouget und dem Countertenor Thomas Künne uraufgeführt wurde. Das klangsinnliche, Kulturen, Sprachen und Tonsysteme übergreifende Stück basiert auf Texten von Blaise Pascal und Abul Al-Ma’arri. Klar strukturiert und in seiner eigenständigen Tonsprache erzählt Mahmoud von der Vielfalt der Kulturen, die ihre Charakteristika auch im “Kleid” eines klassischen Kammermusikwerkes bewahren.
H.K.Österreichische Musikzeitschrift 12/2005

Anlässlich Preisverleihung des Landes Salzburg 2005: “Hossam Mahmoud schreibt eine höchst eigenständige Musik, die sich über ihre hohe kompositorische Qualität hinaus der in unserer Zeit so wichtigen Verständigung zwischen unterschiedlichen Kulturen in überzeugender Weise widmet…”
(Salzburger Landeskorrespondenz)

Prisca
Die Oper, eine Wiederaufnahme, wurde 2002 in Salzburg uraufgeführt und von der Kritik sehr positiv aufgenommen. So schrieb Karl Harb: “Die Vorlage bot dem in Salzburg tätigen Lektor Christian Ollivier Gelegenheit zu einem schlicht erzählten […] Libretto, das eine wohlgestaltete Basis ist für die Musik von Hossam Mahmoud. Der […] ägyptisch-salzburgische Komponist arbeitet mit ruhigen Klangflächen, schönem, strömendem, nie kitschigem Melos, setzt die Farben von Streichern, Blasinstrumenten (Oboe!), Schlagzeug und Singstimmen auch im Raum charakteristisch und subtil um und bindet die melodramatischen Sprecher der zwei Hauptfiguren musikalisch präzise und suggestiv ein…”
(Karl Harb, Salzburger Nachrichten)

“Trois Ponts” (2007).
“Vier Gesangsblöcke wurden unterbrochen und kontrapunktiert von Hossam Mahmoud, der auf der Oud, der arabischen bundlosen Laute, seine “Trois Ponts – Taquassim 6” spielte. Der strenge Renaissance-Satz Dufays und die mit suggestiver Kraft musizierten Soloimprovisationen, aus arabischen Tonsystemen heraus entfaltet, traten in einen aufregenden archaischen Dialog: “Gottes ist der Orient. Gottes ist der Okzident” – ein Thema wie es brennender derzeit nicht gewählt werden könnte. Wenn der Verleger Lojze Wieser, die Literatur meinend, von der Kultur als einer Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln spricht, so war dieser Abend ein Musterbeispiel dafür aus dem Bereich der Musik.
(Heidemarie Klabacher, DrehPunktKultur, Salzburg)

“Eingeklemmt” (KLANGSPUREN SCHWAZ)
Wie eine Suche nach Klängen, die dem Thema gerecht werden, mutet der Beginn an. “Ich glaube an die Religion der Liebe” heißt es im Text Ibn Arabis aus dem 13. Jahrhundert, eine Hoffnung wächst daraus, eine Hoffnung auf gegenseitiges Verstehen und friedliches Miteinander. “Die Mauer ist leer, wo die Liebe saß”, Worte der Hilde Domin, die in Hossam Mahmouds bei aller Mikrotonalität und Modernität verständlich formulierter Musiksprache zur weit ausgesponnenen, von wahrlich symphonischem Atem getragenen Klage werden, übersetzt in berührend wahrhaftige Klänge.
Die vier am Podium und hinter dem Publikum platzierten Musikergruppen führen feine Dialoge, verdichten sich zu spontan entstehenden Klanggespinsten, können sich aber auch zu beredter Geste zusammenfügen. Das Erich Mühsam-Zitat “Sich fügen heißt lügen” wird nicht plakativ, sondern mit gebändigter, desto wirksamerer Dramatik umgesetzt. Musik, die ohne die liebevolle Verbindung von klassischer arabischer und europäischer Schule nicht denkbar ist, die jedoch absolut Eigenes, Unverwechselbares transportiert. Musik von magischer, im besten Sinne ans Herz greifender Aussagekraft……
(Drehpunktkultur September 2008)

Als freier Komponist und Interpret setzt sich Hossam Mahmoud seit Jahren für den Dialog der Kulturen ein.